Irmela & Kathi on tour
Friday, June 30, 2006
Wednesday, June 28, 2006
Auf dem Tonle Sap nach Battambang
Da wir auch noch etwas vom laendlicheren Kambodscha sehen wollten, entschlossen wir uns mal nicht mit dem Bus, sondern mit dem Boot zu fahren. Zuerst auf dem Tonle Sap See, dann weiter auf dem Tonle Sap Fluss bis nach Battambang im Nordwesten des Landes. Der Tonle Sap ist uebrigens der einzige Fluss der Welt, der in zwei Richtungen fliesst. Zur Trockenzeit fliesst er in den Mekong, zur Regenzeit speisst der Mekong andersherum ueber den
Fluss den Tonle Sap See, der dann auf das vierfache seiner eigentlichen Groesse waechst. Zusammen mit ca. 25 weiteren Travellern verbrachten wir also 8 Stunden in einem wahnsinnig engen Boot und schipperten entlang vieler Doerfer und stark abknickender Flusslauefe, in denen das Boot immer per langer Bambusstange mit der Hand manoevriert werden musste. Belohnt wurden wir dafuer aber mit tollen Eindruecken der Menschen, die entlang des Flusses oder auf dem See, meist in einfachen Stelzenhaeusern leben. Spielende Kinder im Wasser, kochende Muetter und viele Fischer. Wir fuhren sogar an einem schwimmenden Schweinestall vorbei..... Die Einfachheit dieses Lebens beeindruckte uns sehr, gab es doch meist keine Elektrizitaet, keine Kanalisation, dafuer aber interessante Herdgebilde aus Stein und Wok vor den Haeusern.In Battambang, der zweitgroessten Stadt des Landes, wurden wir ersteinmal von einem ganzen Rudel Taxifahrer ueberrascht, die uns in irgendwelche Hotels bringen wollten. Noch gibt es in der Stadt noch nicht allzu viele Touristen, deshalb schienen die Wenigen hart umkaempft zu sein. Also verbrachten wir einen schoenen untouristischen Tag in Battambang und schlenderten durch die Stadt mit vielen schoenen Kolonialbauten, bevor wir uns per Mofatransfer, Bus, zu Fuss und mit der Bahn nach Bangkok aufmachten.
Nicht vorenthalten wollte ich euch uebrigens
mal ein Bild der hiesigen Tankstellen. Nicht wie in Europa aus der Zapfsaeule kommt das Benzin, sonder es wird literweise in (Fanta- und Cola-)Flaschen verkauft, die am Wegesrand aufgebaut sind. Schliesslich ist Benzin teuer, die Leute haben wenig Geld, und ausserdem passt in Mofas ja auch gar nicht so viel rein... Verschiedene Benzinsorten haben uebrigens verschiedene Farben, z.B. orange oder gruen, so dass man wirklich oft aufpassen muss, diese nicht mit Fanta zu verwechseln (in welchen Flaschen es ja meist abgefuellt ist).... Die abgebildete "Tankstelle" ist uebrigens schon eine recht Grosse und gutausgestattete, oft stehen auch nur 3 Flaschen zur Auswahl.
Tuesday, June 27, 2006
Monday, June 26, 2006
Siem Reap und faszinierendes Angkor
Siem Reap ist heute ein kleiner Ort im Nordwesten von
Kambodscha und bedeutet "Niederlage der Thais (Siamesen)". Diese nicht weit von der Grenze Thailands entfernte Stadt spiegelt immernoch den einstigen Stolz der Kambodschaner und ihrer Vorfahren, der Khmer wider, die damals grosse Teile Suedostasiens beherrschten. Die imposantesten Ueberbleibsel dieser Zeit sind unbestritten die verschiedenen Anlagen von Angkor, allem voran natuerlich das weltberuehmte Angkor Wat. Besonders ich hatte mich schon lange auf das legendaere Angkor gefreut, und es sollte sich herausstellen, dass dieser Ort einen wirklich auf eine mystische und faszinierende Weise fesselt und begeistert.Kathi und Ich kauften uns also einen 3-Tages-Pass und
mieteten uns ein Tuk-Tuk mit Fahrer fuer 3 1/2 Tage und schon konnte es losgehen.Am ersten Tag ging es zu einer Sunsetfahrt auf den Phnom Bakheng. Von hier aus hatte man eine wunderschoene Aussicht auf die Tuerme von Angkor Wat und die ganze von tiefen, dichten Dschungel bedeckte, flache Umgebung. Wir hatten Glueck und es bildete sich sogar ein wunderschoener Regenbogen ueber Angkor... einfach traumhaft.... Am zweiten Tag machten wir uns gleich morgens frueh mit unserem Fahrer auf, um die zentraleren Ruinen von Angkor auf der "Minitour" zu besichtigen. Nach dem wir das monumentale South Gate der Tempelstadt Angkor Thom passiert hatten, kamen wir schon bald zu einem der wohl schoensten und ueberwaeltigsten Tempel, dem Bayon. Er zeichnet sich besonders dadurch aus, dass 216 gigantische Gesichter von Avalokitesvara innerhalb des Bauwerks mehr oder weniger in den Mauern und Tuermen versteckt sind... irgendwie fuehlt man sich so die ganze Zeit etwas beobachtet. Ausserdem hat der Tempel 1200 Meter Basreliefs zu bieten, in welchen insgesamt ueber 11.000 Figuren zu sehen sind. Interessant sind lebendige Szenen ueber das Alltagsleben im 12. Jhrd, in welchen z.B. Kickboxen und Hahnenkaempfe dargestellt sind. Ueber 2 Stunden verbrachten wir alleine in diesem Tempel,
denn durch seine faszinierende Architektur ergaben sich staendig neue atemberaubende Ausblicke und Ansichten. Der Bayon war insgesamt auch Kathi's "Lieblingstempel". Also naechstes sahen wir uns den Baphuon, die Ruinen des alten Koenigspalastes, sowie die Terrassen der Elefanten und des Leper King an. Der Baphuon ist eines des groessten Puzzles weltweit. Vor dem Buergerkrieg nahm ein Archaeologenteam den Tempel komplett auseinander um ihn zu restaurieren. Als sie nach dem Krieg an die Staette zuruckkamen, waren alle Unterlagen ueber die genaue Lage der Steine zerstoert worden und sie fanden nur einen riesigen Steinhaufen vor. Dumm gelaufen. Da nun bereits riesige dunkle Wolken
aufgezogen waren, entschieden wir uns nun fuer eine Mittagspause. Weiter ging es zu dem sehr beliebten und atemberaubend schoenen Ta Phrom, denn nirgendwo ist die Natur soweit in die Tempel vorgedrungen. Die Szenerie wirkt wie direkt aus einem Indiana Jones Film und tatsaechlich wurde in diesen Gemaeuern Tomb Raider gedreht. Der buddhistische Tempel aus dem 12. Jhrd ist eine der groessten Anlagen von Angkor und wurde so ziemlich in dem Zustand gelassen, in welchem ihn franzoesische Forscher vor ueber einem Jahrhundert vorfanden. Ta Phrom ist komplett ueberwuchert und an unzaehligen Stellen draengen sich dicke Wurzeln hoher Baeume durch das nachgebende Mauerwerk. Innen wandelt man durch ein Labyrinth von engen Korridoren und zerbroeckelndem Mauern, an denen sich immer noch wunderschoene Reliefs befinden. Einige Teile der Gebaeude sind natuerlich auch abgesperrt, da sie langsam zusammen zu fallen drohen. Einigen Inschriften zu Folge wurden damals 80.000 Menschen gebraucht, um das riesige Gelaende in Stand zu halten. An jeder Ecke taten sich neue umwerfende Fotomotive auf, und so wurde Ta Phrom zu meinem absoluten Lieblingstempel. Als naechstes stand der kuenstlich angelegte, rechteckige See von Sras Srang und der ebenfalls grosse und reichverzierte Tempel Banteay Kdei auf dem Programm. Bei diesem Tempel waren wir allerdings schon kaum mehr aufnahmefaehig, wandelten also nur noch so durch die verschiedenen Gange und beschaeftigen uns weit mehr mit den vielen Kindern, die ueberall rund um die Tempel alle Arten von Souveniers anbieten: Bambusfloeten, Reisebuecher, Seidenschals, die traditonellen Khrama-Schals, Armbaender.... wir wurden weich und kauften den suessen Maedels 5 von ihren Schals ab. Natuerlich nur nach langen Verhandlungen... die Maedels waren wirklich richtig gute Verkaeufer.
Am naechsten Tag wartete fruehmorgens dann eines der Highlights: das beruehmte Angkor Wat. Die Dimensionen dieser Anlage sind einfach ueberwaeltigend. Wir hatten Glueck, denn das Wetter spielte so richtig mit an diesem Morgen und so erklammen und erkundeten wir noch vor den grossen Touristenstroemen die ueberdemensionalen Ruinen aus dem 12. Jahrhundert. Die Anlage ist komplett nach Westen ausgerichtet, was auch auf ihre Funktion als Grabstaette fuer den damaligen Koenig Suryarvaman II hinweist. Man betritt Angkor Wat, nachdem man ueber eine Bruecke den
ewig langen rechteckigen Wassergraben passiert hat, durch das westliche Tor, welches einem zum ersten Mal einen wunderschoenen Blick auf die beruehmten 5 Tuerme eroeffnet. Von dieser Stelle aus, sieht man aber erstmal nur 3 von ihnen. Ueber einen langen steinernen Weg naehert man sich dem eigentlichen Wat, vorbei an einer Gartenanlage mit 2 Seen. Erreicht man den Wat fallen einem erstmal die unglaublich reich verzierten (Aussen-) Mauern auf, auf welchen sich ganz unterschiedliche Szenen abspielen. Vor allem der ueberraschend gute Zustand der Reliefs ist beeindruckend, sind diese Kunstwerke doch schon ueber 850 Jahre alt. Auf dem Bild sieht man nur den Blick in eine Richtung ab der Haelfte, also nur ca. 1/8 der gesamten Reliefs... Kathi und Ich wollten erstmal das schoene Wetter nutzen und entschieden uns nach einem kurzen Blick auf die Reliefs und einem kleinen Rundgang erstmal abenteuerlich den hoechsten Turm zu erklimmen, um die fantastische Aussicht geniessen zu koennen. Eine solch steile "Treppe" bin ich vorher noch nie
hochgeklettert.... Oben angekommen genossen wir ersteinmal die friedliche Atmosphaere und beobachteten die Touristen, Glaeubige und Moenche, von den wir natuerlich immer probierten Fotos vor dieser grandiosen Kulisse zu machen. Kathi brachte es doch auch wirklich fertig mit einem jungen Moench zu flirten, der daraufhin mindestens 5 Fotos von ihr und uns machte und nicht aufhoerte uns anzulaecheln, bis seine Freunde uns irgendwann ansprachen (Moenche duerfen ja eigentlich nicht). Jaja... Moenche sind hier auch nicht mehr das, was sie mal waren. Naja, jedenfalls entschieden wir uns aufgrund der vorangeschrittenen Zeit irgendwann fuer den wagemutigen Abstieg und gingen zum Westtor, wo wir
Aufnahmen fuer eine traditionelle Hochzeit in wunderschoenen Kostuemen beobachten durften. Auf einmal zog sich allerdings der Himmel zu und ein prasselnder Wolkenbruch schnitt uns den Rueckweg ab. Gefangen in Angkor Wat... erst ueber eine halbe Stunde spaeter konnen wir zurueck zu unserem Fahrer durch den unaufhoerlichen Regen fluechten... hatten aber Bekanntschaft mit einigen kambodschanischen Kindern und Pilgern gemacht. Auch ganz nett. Wir kauften uns ein Regencape und entschieden uns fuer eine Mittagspause in einem gemauerten Restaurant mit Blick auf die Tempelanlage... hatte eigentlich auch wiederum was. Als der Regen irgendwann nachliess starteten wir unsere "grosse Tempeltour". ... keine Angst, das werde ich jetzt nicht mehr alles beschreiben, kann es aber doch sehr empfehlen. Obwohl wir schon so frueh angefangen hatten, kamen wir erst weit nach Sonnenuntergang wieder voellig erschoepft im Hostel an. Kurz geduscht und ausgeruht und schon machten wir uns auf zur Barstreet in Siem Reap, um dort erst mal lecker zu essen und anschliessend das Deutschlandspiel gegen Schweden zu sehen. In der Temple Bar wurde dieses auf Grossleinwand praesentiert und die schwedischen sauber von uns deutschen Fans getrennt. Wir verbuendeten uns gleich alle und feuerten die Mannschaft an, was da Zeug hielt. Danach wurden wir von einer ganzen Horde Mexikaner zum Tanzen bewegt, und guckten uns anschliessend auch noch ihr Spiel bis zur Halbzeit an, mussten uns nach einem Tequila und der ersten Halbzeit aber doch verabschieden und fielen halb tot um 4 Uhr nachts in unsere Betten. Aber: keine Zeit zum Ausruhen, gleich morgens um 9 stand unser Fahrer puenktlich vor der Tuer, um die abgelegenen Anlagen von Banteay Srei und der Rolous Gruppe mit uns zu erkunden. Banteay Srei, die Zitadelle der Frau, liegt ueber 30 km noerdlich von Angkor und ist vor allem durch die Feinheit und Genauigkeit seiner Reliefs bekannt. Die Anlage an sich ist eher klein und aus leuchtend rotem Stein, besticht aber durch ihre phaenomenalen Reliefs, die wirklich jede einzelne Mauer, jedes Fenster, jede Tuer und jedes Tor bedecken. Ich haette ewig Fotos machen koennen, aber die Hitze und erneut aufziehende Gewitterwolken ueberzeugten uns zu Gehen. Auf der Fahrt ereilte uns dann ein riesiger Wolkenbruch und noch bevor unser TukTuk-Fahrer den Plastikschutz ueber sein Fahrzeug werfen konnte, waren wir trotz unserer Regencapes vom Vortag schon komplett durchnaesst.... naja. Die naechsten 1 1/2 Stunden schliefen wir beide dann voellig erschoepft auf der Hinterbank ein. Die 3 verschiedenen und ca. 15 km im Suedosten von Angkor gelegenen Tempel der Rolous Gruppe betrachteten wir uns dann in den Nachmittagsstunden, bevor es uns zum Sunset noch mal nach Angkor Wat verschlug. Wir hatten Glueck und konnten wunderschoene Aufnahmen machen und uns noch ein bisschen mit einem freundlichen Moench unterhalten, bevor wir als einige der letzten von den strengen Waertern aus der weltweit beruehmtesten aller Tempelanlagen hinausgekehrt wurden.Leider kann ich aus technischen Gruenden in diesen Blog keine Fotos mehr hochladen, wir haben naemlich echt noch ein paar richtig gute auf Lager... ich probiere diese mal nachzureichen.
Wednesday, June 21, 2006
Phnom Penh
Phnom Penh ist die Hauptstadt Kambodscha's und hat ca. 1,7 Millionen Einwohner. Sie liegt am Zusammenfluss von Tonle Sap, Bassac und Mekong und viele Strassen waren auch gleich mal ueberschwemmt, als wir ankamen. Phnom Penh ist sehr kontrastreich, vor allem die Spanne zwischen arm und reich faellt sofort ins Auge, denn viele bettelnde Kinder in zerrissenden Shirts reihen sich neben teuren Cafes und Restaurants in restaurierten Kolonialgebaeuden an der schoenen Flusspromenade ein. Nirgends in Asien haben wir bis jetzt so viele Bettler gesehen, die meisten von ihnen verkrueppelt oder junge Muetter mit kleinen Kindern.Natuerlich gibt es auch viele Sehenwuerdigkeiten in Phnom Penh
und Kathi und Ich waren dort richtig fleissig und haben wirklich alles gesehen. Allem voran natuerlich der Koenigspalast, der vom Stil her sehr dem in Bangkok gleicht (fuer alle die schon mal dort waren). Nur die Farben sind mehr gelblich, also heller und die Anlage befindet sich in einem wunderschoenen Garten. Da die Koenigsfamilie immernoch hier wohnt sind weite Teile des Palastes unzugaenglich. Aehnlich des Wat
Phra Keo in Bangkok hat auch die kambodschanische Koenigsfamilie eine religioeses Highlight zu bieten, naemlich die Silberpagode. Wie der Name schon andeutet ist der Boden mit 5 Tonnen Silber ausgelegt (der aber zum Schutz mit Teppichen bedeckt ist) und als Prachtstuecke bietet die Pagode einen sitzenden Kristallbuddha, sowie einen lebensgrossen, 90 kg schweren stehenden Buddha aus reinem Gold, der mit ueber 2000 Diamanten besetzt ist... schliesslich will man dem thailaendischen Hof ja nicht hinterher hinken.Im danebenliegenden Nationalmuseum, dass vor allem durch seine wunderschone Architektur und seinen stilvollen Garten besticht, sind wichtige Skulpturen und Reliefs aus der Angkor Periode ausgestellt. Viele wurden von Angkor hierher gebracht, um vor Kunstdieben in Sicherheit zu sein. Ausserdem gibt es Bronzefiguren und Keramik aus dem 4. -9. Jhrd. zu sehen.
Fuer uns Shoppingfans: Im Sueden der Stadt gibt es den Psar Tuol Tom Pong oder auch Russian Market, der sich als heiss und stickig aber gleichzeitig als absolutes Einkaufsparadies entpuppte. Man kann sich dort naemlich ziemlich erfolgreich durch Berge von originalen Klamotten wuehlen (guckt mal auf den Herstellungsort eurer H&M- und Zarashirts) und diese dann fuer 2 - 4 US Dollar erstehen. Als Beispiel: Columbiahose fuer 4 $, Banana Republic Langarmshirt fuer 3 $ und jede Menge Old Navy, American Eagle, H&M und GAP Shirts zwischen 1 und 2 $. Ich muss wohl nicht erwaehnen, dass Kathi und Ich diesen Markt gleich 2mal aufsuchten und so richtig zugeschlagen haben. Das 8-Kilo-Paket haben wir dann in Bangkok losgeschickt...
Natuerlich haben wir uns auch mit der dramatischen Geschichte des Landes, besonders der letzten knapp 30 Jahre beschaeftigt und beschaeftigen muessen.... Deswegen nahmen wir uns mal wieder ein TukTuk mit Fahrer und fuhren morgens zu den "Killing Fields" von Choeung Ek, die vor allem durch den gleichnamigen Film bekannt worden sind. In der Zeit zwischen 1975 - 78, als die Khmer Rouge mit ihrem Anfuehrer Pol Pot die Macht im Lande ergriffen hatten, starben in Kambodscha insgesamt 2 Millionen Menschen, entweder an den direkten oder indirekten Folgen (Hunger, fehlende medizinische Versorgung...) dieser brutalen Herrschaft. Das war ein Drittel der damaligen Bevoelkerung. Pol Pot wollte einen maoistischen Bauernstaat schaffen und aus diesem Grund mussten unpassende "Parasiten" aus dem Weg geschafft werden... Aezte, Lehrer, Moenche, fruehere Politiker.... es genuegte schon eine Brille zu tragen oder eine Fremdsprache zu sprechen, um kaltbluetig ermordet zu werden. Das Regime zeichnete sich durch eine unglaubliche Brutalitaet und Gewalttaetigkeit aus. Sobald auch nur eine Person des Verrats verdaechtigt wurde, wurde sofort die ganze Familie mitinhaftiert. Oft wurden die Gefangenen erst monatelang gefoltert, oder mussten in einer Art Konzentrations- oder auch Arbeitslager auf ihre Ermordung warten. Familienmitglieder wurden oft Tag fuer Tag einer nach dem anderen gefoltert und ermordet, so dass die restlichen genau wussten, dass sie wohl am naechsten Tag sterben wuerden. An der Stelle der Killing Fields, in welchen die Ueberreste von 9.000 Menschen in Massengraebern gefunden wurden (und viele weitere gar nicht erst geoeffnet wurden) ist zu diesem Andenken eine weisse Pagode erbaut worden, in der sich auf 17 "Etagen" ueber 8000 Schaedel befinden. Bei Vielen sieht man Einschussloecher oder Hammerabdruecke. Der Rundgang ueber das kleine Gelaende war echt richtig eklig, denn ueberall stecken noch Knochen im Boden oder Zaehne und Knochen sind auf kleinen Haufen entlang des Weges gesammelt. Eine Gedenktafel hat uns besonders geschockt: Um teure Munition zu sparen, wurden kleine Kinder und Babys einfach so oft gegen einen dicken Baum geschlagen bis sie starben. In der Naehe des Baumes wurde laute Musik gespielt damit die Schreie der vielen Kinder und Frauen nicht so laut zu hoeren waren....
Anschliessend statteten wir noch dem Tuol Sleng Museum einen Besuch ab, welches in gleichem Kontext steht. Seit 1975 war eine fruehere High School mitten in Phnom Penh in ein Hochsicherheitsgefaengnis umgewandelt worden, welches als Security Prison S-21 bekannt wurde. Es wurde bald das groesste Internierungslager und Folterzentrum des Landes. Alle ueberlebenden Insassen dieser Anstalt wurden spaeter zu den Killing Fields gebracht und dort ermordet. Insassen, die noch im Gefaengnis an den Folgen der Folter starben, wurden gleich in Massengraebern auf dem Gefaengnisgelaende begraben. Anfang 1977 gab es im S-21 eine schreckeneregende Anzahl von durchschnittlich 100 Opfern pro Tag (!). Die Khmer Rouge dokumentierten die Inhaftierung der Insassen sehr genau und machten sogar bei Einlieferung Passfotos, so dass in langen Raeumen der ehemaligen Schule neben Foltergeraeten und anderen Fotos, die Passbilder von mehreren Tausend Maennern, Frauen und leider viel zu vielen unschuldigen Kindern ausgestellt sind.
Die kambodschanische Gesellschaft scheint sich von diesem apokalyptischen Trauma des Voelkermordes immer noch nicht ganz erholt zu haben. Es gibt immer noch zu wenig Aerzte und Lehrer, es gibt viele Landminenopfer und vor allem fast keine aelteren Leute.
Um uns von diesen krassen Eindruecken zu erholen, verabredeten wir uns fuer den Abend mit 2 weiteren deutschen Maedels und sahen uns das Spiel der Nationalmannschaft gegen Schweden auf einer grossen Leinwand an (mal wieder waren wir die einzigen Deutschen weit und breit), feierten danach einige Zeit im Heart of Darkness, um schliesslich auch noch England gegen Ecuador gewinnen zu sehen.
Sunday, June 18, 2006
Kambodscha's Sueden
Ueber die Grenze nach Kambodscha gingen wir mal wieder zu Fuss und wurden sogleich von einer handvoll Taxifahrern belabert, die uns in verschiedene Gaestehaeuser bringen wollten. Nachdem wir noch schnell leckere Lychees (unsere momentane Lieblingsfrucht hier) gekauft hatten, fuhren wir nach kleinen Meinungsverschiedenheiten mit unserem Fahrer zu Otto's Guesthouse und genossen ein echt deutsches Salamibrot mitten im "Wilden Westen" von Kambodscha, denn der Ort ist vor allem durch seine Schmuggler, Prostitution und Kasinos bekannt.Eigentlich dachten wir, wir haetten die schlechteste Strasse unseres Trips schon in Nordlaos hinter uns gebracht, aber definitiv
Schlimmeres sollte folgen. Im Sueden von Kambodscha hatte es der Jahreszeit entsprechend einige Tage geregnet und so wurde die Strecke vom Grenzort Krong Koh Kong nach Phnom Penh in eine einzige matschige, rutschige Schlammfahrt verwandelt. Gott sei Dank waren wir diesmal in einem Minibus, und nicht in einem grossen Bus unterwegs, der haette die Steigungen und die Strecke auch gar nicht bewaeltigen koennen. Es gab auch keine gefaehrlichen Abgruende (nur die krassesten Schlagloecher die wir je erlebt haben) und wir blieben auch nur 2 Mal stecken. Unterbrochen wurden die Rutschpartien ueber insgesamt 6 Stunden noch von 3 Faehrfahrten, denn auf der ganzen Strecke gibt es (noch) keine Bruecken. Wenigstens ist die Landschaft wunderschoen und es gibt viele urspruengliche Doerfer. Naja. Jedenfalls erreichten wir nach ca. 7 Stunden Fahrt und noch einmal umsteigen die kambodschanische Hauptstadt. Und: ich werde niiiiiiie wieder ueber deutsche Strassen meckern!
Wednesday, June 14, 2006
Koh Chang
Ausruhen war angesagt nach ueber 3 Tagen Krankenhaus, und so entschlossen wir uns auf die naechstgelegene Insel zu fahren: nach Koh Chang. Von unserem Standpunkt Udon Ratchatani im Nordosten Thailands aus, bedeutete das Folgendes: TukTuk zum Bahnhof, 2 Stunden warten, 6 Stunden Zug nach Korat, TukTuk zum Hotel, Uebernachtung und Nightmarket shoppen, TukTuk zum Busbahnhof, 6 Stunden Bus nach Chantaburi, 1 Stunde TukTuk
zum Faehrhafen, 1 Stunde warten, 1 Stunde Faehre nach Koh Chang, Mitfahrgelegenheit. Dann kamen wir endlich am schoenen White Sand Beach an... soviel zum Thema Ausruhen. Diesmal goennten wir uns etwas luxurioesere Bungalows direkt am Golf von Siam fuer ca. 18 Euro die Nacht und fuehlten und erstmal wohl. Strand, Palmen, Meer, leckeres Essen. Und unsere Reiseroute umstellen, da wir nun ja von Sueden anstatt von Norden nach Kambodscha einreisen wuerden. Sowieso ist die Insel sehr ruhig, denn es gibt (noch) kaum
Hotels, sondern viele Bungalowanlagen wie unsere, die nicht allzu viele Gaeste aufnehmen koennen. Gestern abend blieben wir dann extra bis 2 Uhr nachts auf, um uns das Fussballspiel der Nationalmannschaft anzusehen. Da wir die einzigen (fussballinteressierten) Deutschen auf der Insel zu sein schienen, waren wir froh, dass eine Bar nur fuer uns bis 4 Uhr nachts geoeffnet blieb. Yippie! Gelohnt hat sich's!
Sunday, June 11, 2006
Eine Nacht mit Mr. Souky und Kathi's Heldentaten
39,6 Grad Fieber, Durchfall ohne Ende und Kopfschmerzen.... was tun in der Mitte von nichts irgendwo in Laos?Ab ins naechste "Krankenhaus"... was sich als wiederum gar nicht so einfach rausstellte. Der TukTuk-Fahrer musste erst geweckt werden, die Faehre ueber den Mekong musste erst voll werden und die naechste Toilette durfte nie zu weit entfernt sein.... Nach einer ewig langen, ruckeligen, 1-stuendigen Fahrt setzte uns der TukTuk-Fahrer ab. Sollte das das Krankenhaus sein? Ein rotes Kreuz war dort ja auf weissem Grund, aber sonst? Hmmm. Erstmal reingehen und nachfragen. Eine Empfangsdame sprach etwas Englisch und so wurden wir gleich zur Notaufnahme verwiesen, wo ebenfalls die Aerztin Mrs. Samsanouk gebrochen Englisch konnte, wir uns aber sonst nur mit Haenden und Fuessen verstaendigen konnten. Nicht lange zoegern, erstmal an den Tropf, Fragen stellen und Namen angeben kommt spaeter..... schon lag ich auf der blauen Plastikmatratze mit hellblauem Bettlaken und hatte ne Nadel im Arm stecken... wenigstens liebevoll von dem netten Pfleger Mr. Souky injiziert. Kathi holte erstmal die Rucksaecke aus dem TukTuk und startete ihren Formularausfuell- und Medikamentenkaufmarathon. In Laos laueft das naemlich so: die Medikamente werden vom Arzt verschrieben, worauf hin die Verwandten bzw. Kathi zur Medikamentenausgabestelle eilen, bezahlen und dafuer eine Plastiktuete voll Zeugs in die Hand gedrueckt bekommen, mit der sie zurueck ins Krankenzimmer spazieren. Diese Tuete wird dann neben einem ans Bett gehaengt und die Pfleger und Aerzte nehmen sich dann immer das Passende aus der Plastiktuete. In meinem Fall waren dass neben Tabletten und Injektionen insgesamt 5 Liter Infusion.... was mich von da an alle 15 Minuten aufs Klo rennen liess. Aber auch das aufs Klo rennen, stellte sich als gar nicht so einfach raus, da es weit den Gang hinunter lag und desoefteren mal die Wasserversorgung ausfiel.
Kein Wasser, keine Klospuelung, kein Haendewaschen... na super. Was machen die Laoten eigentlich bei ner OP?

Das Champasak Hospital in Pakse war sehr offen gestaltet, mit viel Licht und einfachen Ventilatoren. Dadurch, dass ich in der Notaufnahme lag, bekamen wir natuerlich die krassesten Faelle mit (was einem echt nahe gehen kann, wenn's einem sowieso schon nicht so gut geht). Allem voran die Schreie, denn da es in Laos keine Krankenwagen gibt, kommen die Kranken noch voellig unbehandelt im Krankenhaus an. Kathi sah zum Beispiel, wie ein halbes Dorf auf einem Traktor angefahren kam, um einen schreienden Verlezten "abzugeben". Sowieso schien oft die ganze Familie den Kranken zu besuchen, denn ueberall waren viele Leute unterwegs und sassen oft auch in den Fenstern der Krankenzimmer, weil in den Zimmern kein Platz mehr war. Das Schrecklichste waren aber die offensichtlichen Verzweiflungsschreie einer Familie, nachdem wohl ein Familienmitglied gestorben war, die sich bestimmt ueber 30 Minuten hinzogen. Netterweise lieh mir Kathi in dieser Situation ihren Discman. Achja, und Essen gibt es natuerlich auch nicht, alles muss selbst mitgebracht (oder von Kathi besorgt) werden. Natuerlich waren wir in dem Krankenhaus mal wieder eine grosse Attraktion und so stellten sich oft interessierte Leute an unser Fenster und gafften uns einfach mal ne viertel Stunde an. Und die meisten Pfleger und Aerzte, die aber ja auch alle kein Englisch konnten, kamen unauffaellig hereingeschneit, inspizierten uns neugierig, probierten mit uns Laotisch zu reden und verschwanden wieder....
Natuerlich lief grade an diesem Tag das Eroeffnungsspiel der Fussball-WM, das Kathi und Ich uns eigentlich unbedingt haetten ansehen wollen, aber die Fernseher im Krankenhaus wurden wohl fruehzeitig ausgestellt und ich schlief sowieso. Netterweise eilte Mr. Souky aber um 1 Uhr nachts in unser Zimmer, fing mich von einem Toilettengang ab und gestikulierte aufgeregt: Jerman (Germany) 4, Other 2! ... wenigstens eine gute Nachricht.....
Leider war es nach 5 Litern Infusion und vielen komischen Medikamenten am naechsten Morgen so gar nicht besser geworden, und deshalb verabschiedeten wir uns von den netten Mitarbeitern des Champasak Hospital in Pakse und schlugen uns mittels TukTuk, Mofataxis und zu Fuss zur thailaendischen Grenze durch. Voellig geschwaecht trabte ich nur noch so vor mich hin und Kathi regelte die Grenzformalitaeten. Ganz besonders heldenhaft trug sie dann auch unsere beiden (!) Rucksaecke ohne mit der Wimper zu zucken ueber die Grenze... das sind locker 40 kg oder mehr. Ich schleifte derweil unsere beiden kleinen Handgepaeckstuecke hinter mir her. Von der Grenze aus fanden wir Gott sei Dank einen Fahrer, der und nach einem Toilettenstopp und einstuendiger Fahrt (es ist kaum zu glauben wie schoen Klimaanlage und aspaltierte Strassen sein koennen) in Udon Ratchatani im Krankenhaus ablieferte.Hier lief alles gleich ganz anders: von super englischsprechenden Empfangsdamen in Kostuem wird man sofort begruesst, sowie ein Abgleich mit der Versicherung und die Sprechstunde mit dem Arzt organisiert. Nach dieser wurde ich sofort wieder an den Tropf gehaengt und bald darauf konnte ich wohlig in meinem klimatisierten Einzelzimmer mit Fernseher einschlafen.
-Happy End-
An dieser Stelle noch mal ein riiiiiiiiesen Dank an Kathi, die sich um alles ganz grossartig und heldenhaft gekuemmert hat.
Friday, June 09, 2006
Laos' Sueden
Um in den Sueden zu kommen, setzten wir uns in den futuristischen
VIP-Nachtbus, der uns nach ca. 10 Stunden, morgens um 6 Uhr, in der Provinzhauptstadt Pakse wieder absetzte. Unser TukTuk-Fahrer fuhr uns dann zum Hauptmarkt, mit dem Versprechen, dass um 9 Uhr ein Bus nach Champasak gehen sollte, wo wir eigentlich hin wollten. Leider sprach niemand wirklich Englisch oder konnte uns sonst irgendwie weiter helfen und so warteten wir im Endeffekt in einem bunten Treiben aus Marktfrauen, Huehnern, grunzenden Schweinen in weissen Reissaecken (zum Transport, sieht ulkig aus, weil nur die Schnauze rausguckt), Hausfrauen, Gemuesebergen, TukTuk-Fahrern, Lastentraegern und spielenden Kindern, bis endlich ein Bus um 10:30 den Markt verliess.... hmm. Michael aus Malaysia war mit uns gestrandet und spendierte und freundlicherweise erstmal eine Dose Pepsi. Nachdem sich der Bus, nach 4 1/2 Stunden Wartezeit, nun also endlich in Bewegung gesetzt hatte, kam es schon nach 5 Minuten zu einem langen Stopp, denn: es waren noch ein paar Quadratmeter im Bus frei und so luden wir Hunderte Fliesen mit ein.... und zwei Beutel mit Fischen, die direkt unter meinen Fuessen Platz fanden. Der dicke Moench vor uns schien eine Art Mafiosi zu sein, denn staendig brachten Leute ihm Sachen, zeigten ihm Briefe, er zueckte unaufhoerlich Geld oder holte sein teures Handy unter seinem orangenen Moenchsgewand hervor, um laute Gespraeche zu fuehren oder Musik zu hoeren. Nachdem unter den Laoten geklaert war, das weder Kathi noch Ich mit Michael oder irgendwem sonst verheiratet waren, bekam Kathi erstmal einen Heiratsantrag von dem einen Kopf kleineren
Ticketverkaeufer des Busses, von dem ich anschliessend noch ein Foto zum Andenken fuer Kathi schiessen musste.... er bestand darauf. Bevor wir nun endlich Champasak erreichten, galt es noch eine letzte Huerde zu ueberwinden: den Mekong mal wieder. Auf einer interessanten Konstruktion einer kombinierten Auto- und Passagierfaehre schwammen wir mit einigen anderen Autos und vielen Snack-Verkaeufern mit typischem Hut ueber den breiten, braunen Fluss und waren unheimlich gluecklich nach nun insgesamt fast 18 Stunden endlich Champasak zu erreichen, wo wir auch wieder auf George trafen.
Der kleine Ort Champasak hat eine seeehr bedeutende Sehenswuerdigkeit zu bieten: den 8 km entfernten Wat Phou. Die grossflaechige Tempelanlage ist neben der Ebene der Tonkruege die zweite bedeutende archaeologische Sehenswuerdigkeit des Landes. Die Aeltesten der Ruinen stammen wohl aus dem 5. bis 6. Jahrhundert, was sie ca. 200 Jahre aelter macht, als die beruehmte Anlage von Angkor Wat in Kambodscha. Mittlerweile gilt als sicher, dass sich an dieser Stelle die erste Hauptstadt des frueher bedeutenden Khmerreiches befunden hat, bevor sie spaeter nach
Angkor verlegt wurde. Zu den Ruinen gehoeren heute eine Prozessionsstrasse, verschiedene Pavillons mit reichen Verzierungen und Reliefs, sowie eine steile Treppe aus Lateritgestein, die bis zum Hauptheiligtum weit auf den Berg hinauffuehrt. Alle Steinplatten sind mit Reliefs von hinduistischen Goettern und Fabelwesen, wie Vishnu, Garuda und Shiva oder buddhistischen Darstellungen verziert. Natuerlich liessen wir uns auch das dazugehoerige Museum nicht aus. Kathi begeisterte in der Hitze besonders die kleine heilige Quelle, aus der sie sich kuehles Wasser ueber den Kopf giessen konnte, mich ganz besonders die wunderschoene Aussicht.
Wednesday, June 07, 2006
Vientiane
Vientiane ist alles: Regierungssitz, Verwaltungszentrum, wirtschaftliches, politisches und kulturelles Zentrum des Landes. Und haesslich... zumindest meinen das viele Leute und die meisten Backpacker fluechten schon nach spaetestens einem Tag wieder aus der Stadt. Wir blieben fuer fast 3 1/2 Tage und konnten so jede Menge der gar nicht sooo haesslichen Stadt sehen. Etwas ausserhalb der Stadt befindet sich das Wahrzeichen von Laos, der goldig-glaenzende That Luang, der sei 1991 sogar das Staatswappen ziert (und damals einen fuenfzackigen Stern mit Hammer und Sichel abloeste). Natuerlich stand diese Sehenswuerdigkeit ganz oben auf unserer Liste und so fuhren wir auf nicht mehr verkehrssicheren Fahrraedern los durch den ruhigen Verkehr der laotischen Hauptstadt. Da das Land ja mal unter Frankreichs "Schutz" stand, gibt es eine lange Champs-Elysees-aehnliche Promenade, die auf eine Art Triumphbogen, den Patou Say zulaeuft. Nachdem es urspruenglich als "Denkmal fuer die Helden der koeniglichen Armee" gedacht war, wurde es 1975 - nach der Machtuebernahme der Pathet Lao (der kommunistischen Partei) - namenlos und erst 1995 "Den Helden des 23. August 1975" (Tag der Machtuebernahme der Partei) gewidmet. Toller Name. Naja, jedenfalls hat man von dort aus, mal wieder nach einem schweisstreibenden Aufstieg, eine wunderschoene Aussicht ueber die sehr gruene, weitlaeufige Stadt. In der Mittagshitze erreichten wir dann irgendwann den etwas ausserhalb liegenden That Luang. Schon ueber 2000 Jahre soll der Platz als Kultstaette gedient haben, doch in den vielen Unruhen um diese Stadt wurde das 1566 errichtete Bauwerk mehrmals zerstoert und wieder aufgebaut bis es erst 1935 seine heutige Form erhielt. Sein goldglaenzender markanter Stupa streckt sich oberhalb der Plattform 30 m in die Hoehe. In der Galerie, die den Chedi umgibt, wurde grade moderne und impressionistische laotische Kunst ausgestellt, als wir dort waren. Vorbei am Parlamentsgebaeude und am Denkmal des Unbekannten Soldaten, welches von einem fuenfzackigen Stern gekroent ist, ging es dann wieder zurueck in die Stadt. Damit der Tag kulturell auch perfekt war, sahen wir uns noch das Nationalmuseum an. Waren die Anfaenge der Ausstellung ueber die Fruehgeschichte noch sehr interessant dargestellt, entwickelte sich die Abteilung mit der neueren Geschichte des revolutionaeren Kampfes der Pathet Lao eher in eine Propagandaveranstaltung. Neben vergilbten Fotos der Revolution und der Graeultaten der "amerikanischen Imperialisten" wurden viele Gebrauchsgegenstaende der Fuehrers Kaysone Phomvihanes ausgestellt. ( ...diesen Kugelschreiber benutzte er im Jahre 1974.... sowie mein Favorit: sein Armmuskelertuechtigungsgeraet dieser Jahre). Passend dazu gab es noch eine Abteilung mit den in Fotos dokumentierten Errungenschaften der Volksrepublik Laos seit der Machtuebernahme.Auch hier mal wieder ein netter Ausflug: der Wat Xieng Khuan, ca. 30 Kilometer suedlich der Stadt. Dieser Wat hat weder eine Pagode noch irgendwelche Moenche, sondern ist bekannt wegen seines wirklich einmaligen und skurrilen Buddha-Gartens. Aus Beton sind hier Figuren der indischen, buddhistischen und laotischen Mythologie dargestellt. Sie sind zwar kuenstlerisch nicht besonders ansprechend, aber in ihrer Gesamtheit wirklich beeindruckend. Von einem grossen, 8 m hohen, topffoermigen Gebauede, das durch Figurengruppen im Inneren und dem Baum der Erkenntnis an der Spitze den Leidensweg bis zur Erleuchtung verdeutlichen soll, hat man einen wunderschoenen Ausblick auf die Anlage und den direkt dahinter liegenden Mekong.
Am Schoensten war es dann aber doch abends am Mekong in Vientiane, in einem der vielen Cafes zu sitzen und die spielenden und plantschenden Kinder und die vielen Fischer vor der wunderschonen Kulisse des Sonnenuntergangs zu beobachten.
Sunday, June 04, 2006
Vang Vieng
Vang Vieng ist ein kleiner Ort an der Strasse von Luang Prabang nach Vientiene und vor allem durch eins bekannt: fast uneingeschraenkten Drogenkonsum. Die Strassen sind gesaeumt von Cafes und Restaurants mit lauter Liegeflaechen und so interessanten Gerichten wie "Happy Pizza", "Happy Shake", "Mushroom Noodles" und "Opium Tea". Waehrend sich also alle Leute auf den Matten und Matratzen aalen, laeuft im Hintergrund unaufhoerlich "Friends" oder "Simpsons" und alle Leute liegen recht entspannt in der Gegend rum. So trifft man in der Stadt viele Backpacker, die schon 5 Tage da sind, aber gar nicht genau wissen, was sie in dieser Zeit so gemacht haben...hmm. Dabei liegt der Ort wunderschoen in einem langgestreckten Tal direkt am Fluss. Im Westen der Stadt liegt eine Kette von bizarren Kalksteinfelsformationen, in denen sich einige mehr oder weniger touristische Hoehlen befinden. Kathi und Ich waren mal wieder vorbildlich und guckten uns gleich am Tag unserer Ankunft die groesste der Hoehlen Tham Chang an, obwohl man die Stufen dorthin bei hoher Luftfeuchtigkeit eher beschwerlich erklimmen musste. Eine weitere Attraktion von Vang Vieng ist das Tubing, was Kathi und Ich auch gleich zusammen mit Adam und Erjan ausprobierten: man wird mit Rettungsweste und je einem grossem Gummireifen ausgestattet, bekommt eine riesige Nummer auf die Hand,
wird auf ein TukTuk verfrachtet und einige Kilometer flussaufwaerts am Nam Song wieder herausgelassen. Nun gehts barfuss zum Fluss, ab auf den Reifen und den Fluss hinunter. Man klemmt sich so irgendwie in die Mitte des Reifens, der Arsch heangt dabei die ganze Zeit im kuehlen Wasser (bei Stromschnellen muss man diesen schnell anheben...). Natuerlich ist das so noch nicht richtig spassig, sondern den Reiz machen die vielen Rastmoeglichkeiten am Flussufer aus... jede Menge Bars, von denen aus bis zu 10 Meter Hohe Schaukeln oder Seile einen teils waghalsigen Sprung in den kuelen Fluss moeglich machen. Wer sich eher nicht das Genick brechen will, so wie wir, bestellt sich einfach was Nettes zu trinken und schaut dem ganzen Treiben amuesiert zu. Danach springt man wieder in den Reifen, geniesst die wunderschoene Szenerie der langsam vorbeiziehenden Landschaft und laesst sich bei der naechsten Bar von den Barangestellten mittels einer langen Bambusstange wieder aus dem Wasser ziehen. Auf dem letzten Stueckchen wurde ich dann leider schneller als die anderen und verpasste den "Ausgang". Netterweise liessen sich Kathi und Adam aber ebenfalls mit mir zusammen weitertreiben und so zogen wir uns unterhalb eines Hotels am anderen Ende des Ortes aus dem Wasser und mussten pudelnass nur in Shorts und mit peinlicher gelber Schwimmweste bekleidet den ganzen Ort barfuss durchqueren. Uuups.Am Abend wurde es dann richtig erst. Erjan war am Tage zuvor mit ein paar Einheimischen unterwegs gewesen, die ihn mit zu einem Hunderestaurant nahmen. Also beschlossen wir aufgrund seiner Schwaermerei, auch diesen Schritt zu wagen. Nach einigem Fussmarsch heraus aus dem Touristenviertel, kamen wir in das kleine Restaurant und es gab es zum Abendessen einen Teller gegrillten Hund. Jaja, ich seh schon wie ihr alle die Gesichter verzieht. Aber: Hund ist echt lecker! Es schmeckt irgendwo zwischen Doenerfleisch und Steak und ist auch noch angenehm gewuerzt. Wir hatten jedenfalls unsern Spass, die Einheimischen beaeugten uns ganz neugierig und wir waren ueberrascht wie einfach sich sowas doch essen laesst. Nur Kathi und George, die beiden Tierliebhaber, konnten wir nicht so ganz ueberzeugen. Das Katzenrestaurant wollten wir uns dann auch lieber fuers naechste Mal aufheben...
Saturday, June 03, 2006
Phonsavan - Plain of Jars
Ganz im Osten des Landes, hinter einer etwas muehselig zu
Eine Theorie besagt zum Beispiel, dass sie zur Aufbewahrung von Reis-Whiskey gedient haben sollen, nachdem im 6. Jahrhundert ein Gelage bei einer Siegesfeier stattgefunden habe. Wahrscheinlicher ist es allerdings, dass sie als Grabstaetten dienten und in den Toepfen selbst die Verpflegung fuer die lange Reise und Grabbeilagen gelegt wurden. Auch ueber das Material der Kruege gibt es verschiedene Ansichten. Einige der Kruege scheinen aus Sandstein gehauen zu sein (der aber in der Gegend gar nicht vorkommt),
andere dagegen seien der Sage nach aus einem Zement, bestehend aus Bueffelhaut, Zuckerrohr, Sand und Wasser.... Wie auch immer, die Tonkruege liegen wunderschoen gruppiert und auf einigen Huegeln verteilt, von denen sich jeweils ein fantastischer Blick ueber die steppenartige Landschaft ergibt. Da die ganze Gegend noch immer von Minen verseucht ist, was man auch an den vielen Bombenkratern zwischen den Kruegen sieht, muss man sich als Tourist einer gefuehrten Tour anschliessen, damit man nicht ueber verseuchtes Gelaende rennt. Alle Wege sind mit von der MAG (Mines Advisory Group) bemalten Pflastersteinen begrenzt, die mit ihrer rot, bzw. weiss aufgemalten Seite die von Minen geraeumten
Flaechen verdeutlichen. Man hat also doch ein winziges, flaues Gefuehl im Bauch, wenn man so immer aufmerksam dem Tourguide hinterher, durch die Gegend wandert. Ausserdem wird man so doch staendig an die schlimme Bombardierung erinnert, die ja auch erst um die 35 Jahre her ist. Viele der Kruege haben uebrigens ca. 2000 Jahre allen Witterungen und Kriegen standgehalten und wurden erst beschaedigt, als die amerikanischen Bomben fielen...Die Stadt Phonsavan plant einen oeko-archaeologischen Tourismus in der Gegend zu etablieren, denn die Umgebung erscheint durch ihre beeindruckende Natuer, die vielen archaeologischen Fundstaetten sowie auch durch die vielen Ueberbleibsel juengerer Geschichte gradezu dazu praedestiniert.
Friday, June 02, 2006
Exkurs: Secret War on Laos
Jeder kennt den Vietnamkrieg, den Meisten sind die Graeultaten der Khmer Rouge in Kambodscha ein Begriff. Aber was ist mit Laos? Es ist, als wenn nie etwas gewesen waere... doch das taeuscht:Laos war Opfer eines geheimen Krieges der USA. Geheimgehalten vor dem Kongress, geheimgehalten vor dem amerikanischen Volk und geheimgehalten vor der Weltoeffentlichkeit.
Laos hat das tragische Attribut eines der meistbombardierten Laender der Welt zu sein. Auf das kleine Land in der Mitte von Suedostasien fielen mehr Bomben als im 2. Weltkrieg auf Deutschland und Japan zusammen. Dies alles geschah entgegen internationaler Abkommen, welche auch die USA unterschrieben hatten. Waehrend des Vietnamkrieges flogen die Amerikaner Bombenangriffe um den Ho Chi Minh Trail, der die Versorgung der gegnerischen Truppen sicherte, zu zerstoeren. Teile dieser Strasse liefen auch durch das eingentlich unbeteiligte Laos. Weiterhin wurden Bomben, die von Angriffen auf Vietnam noch uebrig waren (wegen schlechter Witterung, Nebel oder aehnlichem) einfach ueber Laos abgeworfen, denn sie durften aus Sicherheitsgruenden nicht mit zurueck zur thailaendischen Homebase gebracht werden. Am Schlimmsten war die Bombardierung aber von 1964 bis 1973, nachdem Praesident Johnson offiziell die Bombardierung in Vietnam fuer beendet erklaerte, diese aber geheim komplett auf Laos umgleitet wurde.
Ueber Laos fielen ueber 2 000 000 Tonnen Bomben, vor allem die verhassten Splitterbomben (oder andere anti-personelle Bomben), die nicht gegen das Militaer, sondern gegen die Zivilbevoelkerung gerichtet waren. Zur Veranschaulichung: in einer grossen Bombenhuelle befinden sich 670 tennisball-grosse Behaelter, die ihrerseits mit ca. 300 Splittern gefuellt sind. Nur einer dieser Splitter reicht aus, um zu toeten. Wahrscheinlich explodierten 10 - 30% der eingesetzten Bomben nicht. Insgesamt wurden mehr als 2 Bomben pro laotischer Person abgeworfen.
Noch immer sind weite Landstriche, besonders im Osten und Nordosten, von Bomben verseucht. Seit Kriegsende hat es daher 12000 Tote durch UXO's (Unexploded Ordnance) gegeben, die mittlerweile wie Landminen funktioneren. Rund ein drittel der Opfer sind Kinder, die die Bomben nicht gleich als solche identifizieren und eventuell
damit spielen wollen oder beim Spielen aus Versehen auf diese treten. Viele Organisationen arbeiten deswegen mit Schulen zusammen. Taegliche Arbeiten im Reisfeld koennen so ein grosses Risiko darstellen. Viele Bauern arbeiten also immer noch unter Lebensgefahr. Geraeumte oder teilweise geraeumte Gebiete markiert die MAG mit zweifarbigen Pflastersteinen. Jenseits der roten Seite ist das Gebiet nur oder immerhin augenscheinlich gesaeubert, jenseits der weissen Seite ist der Grund per Metalldetektor bombenfrei gesaeubert. Es ist trotzdem ein komisches Gefuehl innerhalb der weissen Markierung zu wandern.Aufgrund der "verseuchten Erde" ist der Bau von Schulen, Haeusern und das Erschlissen neuer Felder besonders teuer. Jedesmal muessen die Organisationen MAG oder UXO LAO mit ihren Teams und besonderen Geraetschaften anruecken. Kein Wunder, dass Laos eines der am wenigsten entwickelsten Laender der Welt ist...







